St. Gallen Centrum

Drei Gründe für eine reformierte Wiborada

Foto Leitartikel_Wiborada (Foto: Sabrina Koller)
Jubiläum der ersten heiliggesprochenen Frau
Ein Jubiläumsfest für Wiborada – was hat das mit uns Reformierten zu tun?
werde ich manchmal gefragt.
Die erste heiliggesprochene Frau der Welt, eine Inklusin, die laut Legende mit ihrem gesegneten Brot Menschen heilen konnte ist für unsere Verhältnisse schwer katholisch. Oder nicht?
Wiborada ist viel mehr als katholisch. Sie ist eine tief beeindruckende Frau aus dem Mittelalter. Eine Frau, die durch ihre Klugheit unsere Stadt gerettet hat und für viele Menschen zu ihrer Zeit eine wichtige Ratgeberin war.
Und: Sie ist eine Inspiration für uns Reformierte!
1. Weg mit dem Gold
Wiborada stammte aus wohlhabendem Haus. Es wird erzählt, wie sie als junge Frau auf einem Pferd reitend unterwegs zur Kirche war. Mit einem goldverzierten Kleid und schönem Kopfschmuck. Wiborada sprang vom Pferd und riss alles Gold von sich, löste den Schleier vom Kopf und zeigte damit: Ich will keinen Reichtum und nicht heiraten, sondern Gott suchen.
Das erinnert mich an die Reformatoren, die das Gold aus der Kirche entfernten, um Gott in der Einfachheit zu suchen.
2. Leben aus der Schrift
Ob Wiborada lesen konnte oder nicht, darüber streiten sich die heutigen Wissenschafter:innen. Fest steht: Sie konnte alle 150 Psalmen auswendig. Sie befasste sich intensiv mit der biblischen Schrift.
Allein das macht sie zu einer glaubwürdigen reformierten Vorbildfigur.
3. Selber denken!
Vor knapp 20 Jahren Jahren lancierte die refomierte Kirche der Schweiz eine Imagekampagne mit dem Slogan «reformiert. selber denken».
Wiborada ist eine Frau, die aus meiner Sicht diesen Slogan erfüllt.
Als Frau im Mittelalter war sie bestimmt, einem Mann zu dienen oder ins Kloster zu gehen. Sie wollte ihr Leben allein Gott widmen und für Menschen da sein und fand dafür ihren eigenen Weg.
Grund zum Feiern
Liebe Reformierte, liebe Christinnen und Christen, liebe Menschen der Stadt
Feiern wir unsere besondere Stadtbwahrerin Wiborada mit einem Fest rund um die Kirche St. Mangen. Am 2. Mai jährt sich ihr Todestag zum 1100 mal.

Text: Kathrin Bolt
Foto: Bistum St.Gallen