Die Orgel der Kirche St. Mangen bietet die in der Ostschweiz äußerst seltene Gelegenheit, Bachs Musik weitgehend originalgetreu zu erleben.
Die 1988 von der Orgelbaufirma Felsberg erbaute Orgel ist im norddeutschen Barockstil konzipiert – einem Stil, den Bach in seiner Jugend als Schüler von Georg Böhm am Michaelisstift in Lüneburg sowie bei seinen Besuchen in Hamburg bei Johann Adam Reincken und in Lübeck bei Dieterich Buxtehude kennen- und schätzen lernte und der sich für die Darstellung seiner Musik hervorragend eignet. Durch meine mittlerweile 23-jährige intensive Beschäftigung mit der St. Mangen-Orgel wurde diese zu meinem Lieblingsinstrument und es entstand der Wunschtraum, darauf einmal Bachs (meines Lieblingskomponisten) gesamtes Orgelwerk aufzuführen. 2024 war es endlich so weit: als Pilotprojekt unterstützt die Kirchgemeinde St. Gallen C das Projekt zunächst für zwei Jahre, anschließend wird über die Weiterführung entschieden. Geplant sind drei jährliche Konzerte über einen Zeitraum von neun Jahren jeweils an einem Samstagabend von 19:00 bis 20:30 Uhr. Der Eintritt ist frei, es wird um eine Kollekte gebeten.
Die ersten sieben Konzerte sind Bachs Frühwerk gewidmet, in zwölf Konzerten erklingen die während seiner Weimarer Jahre entstandenen Kompositionen, in einem Gesprächskonzert werden Frühfassungen und zweifelhafte Stücke beleuchtet und den Abschluss bilden zwölf Konzerte mit den Werken seiner Leipziger Schaffensperiode.
Bei 175 von Bachs insgesamt 241 Orgelwerken handelt es sich um Choralbearbeitungen, die ursprünglich nicht als Konzertstücke konzipiert waren, sondern im Gottesdienst als Choralvorspiele, die den anschließenden Gemeindegesang einleiteten, erklangen. Sie werden deshalb in diesem Konzertzyklus nicht einfach eines nach dem anderen gespielt, sondern teilweise mit von verschiedenen Chören/Vokalensembles gesungenen Chorälen Bachs und teilweise mit vom Publikum mitgesungenen Kirchenliedern verknüpft. Die Anordnung der Choralbearbeitungen innerhalb der Konzertreihe orientiert sich am Verlauf des Kirchenjahres. Die „freien“ Werke (Präludien, Fugen etc.) erklingen gemäß ihrer liturgischen Tradition quasi als Eingangs-, Zwischen- und Ausgangsspiele. Auf diese Weise entsteht eine Art Symbiose aus Gottesdienst und Konzert.
Die nächsten beiden Konzerte finden am 1. November (Thema: Reformation und Buße) und am 13. Dezember (Thema: Advent und Weihnachten) statt.
Text: Verena Förster
Foto: Simon Förster