St. Gallen Centrum

Aus der Gemeinde

Glocke St. Laurenzen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sgc.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>6</div><div class='bid' style='display:none;'>137</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>
EINHEIT AUS BRONZE - GLOCKENKLÄNGE UND GLOCKENWORTE
Hans Jürg Gnehm
Wenn wir zu Kirchtürmen emporblicken, entziehen sich die Glocken in den meisten Fällen unseren Blicken. Wer sich bewusst auf ihr verborgenes Tongewoge einlässt, wird wohl auf eigenartige Weise berührt werden. So beginnt sich vielleicht etwas Unaussprechliches zwischen dem Glockengeläute und uns hörenden Menschen hin und her zubewegen. Gerade über der Stadt St. Gallen breitet sich ein grosser Reichtum an Klangfarben, lauteren und leiseren, dominanteren und zaghafteren Klängen aus. Benachbarte Geläute vermischen und verweben sich über Häuser, Gassen und Strassen hinweg zu einem vielchörigen Ganzen. Und jede dieser Glocken hat über die klangliche Botschaft hinaus auch eine inhaltliche. Damit sind die auf den Glockenkörpern prangenden Inschriften gemeint, von denen wir in der Regel nichts wissen. Die Klänge sowie die in Bronze gegossenen Inschriften verstärken sich gegenseitig und auf unterschiedliche Weise zu einem eindringlichen Ganzen, das mehr und Grösseres meint. An dieser Stelle möchte ich einige dieser Inschriften wiedergeben.
Auf der grossen Glocke der Laurenzenkirche sind die folgenden Worte zu lesen: «Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden». Frieden ist seit der bald tausend Jahren das wohl häufigste Thema auf Kirchenglocken. Es spiegelt die Sehnsucht von uns Menschen nach Ganz sein, Unversehrtheit und Wahrheit. Möge diese Sehnsucht in uns wach bleiben. Wie eine Antwort darauf ist die Inschrift auf der zweitgrössten Glocke von St. Mangen: «Wachet, stehet im Glauben». Das Wachen verkörpern überdies auf klangliche Weise die vier Glocken der Kirche Heiligkreuz durch das Motiv «Wachet auf ruft uns die Stimme». Ihre grösste Glocke verkündet die mahnenden Worte des Propheten Jeremia: «Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.» Diese Inschrift ist bei den tontiefsten Glocken reformierter Kirchen die häufigste. Sie steht in der früheren Tradition, wo reformierte Glocken auf den Predigtgang hingewiesen haben. Schliesslich soll die grosse Glocke der profanierten Leonhardskirche zu Wort kommen: «Kommet zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.» Ihr Klang ist verstummt, ihr Wort aber bleibt, gleich wie Gottes Wort bleibt. Und die Glocken selbst mögen noch lange im Dienst dieses Wortes bleiben.
Verantwortlich: Vreni Fehr
Bereitgestellt: 01.02.2019