St. Gallen Centrum

Trotz aller Einschränkungen gastfreundliche Kirche sein und bleiben!

Foto Leitartikel_A.Saleem_2 (Foto: Augustin Saleem)
Schmerzhaft müssen wir Pfarrpersonen zur Zeit entscheiden, ob wir den Gottesdienst mit oder ohne Zertifikat anbieten.






Ohne Zertifikat schliessen wir die aus, die zusätzlich zu den anwesenden 50 Personen auch noch gekommen wären. Mit Zertifikat schliessen wir die aus, die nicht geimpft sind. Die Kontrollen, die dabei gemacht werden müssen, sind für alle Beteiligten unangenehm.
Trotzdem bemühen wir uns mit geeinten Kräften gastfreundliche Kirche zu sein und zu bleiben. Wir heissen Menschen willkommen und bieten ihnen unseren schönen Kirchenraum an, zur Besichtigung und zur Einkehr. Jedes Jahr werden viele tausend Kerzen entzündet als Gebete und Bitten. Es werden Gebetskarten ausgefüllt, auf der tiefe Not und Hoffnungen sichtbar werden. Es gibt unzählige Eintragungen ins Gästebuch. Eltern und Grosseltern sitzen mit ihren Sprösslingen auf der Kinderbank und erzählen ihnen eine bebilderte Geschichte.
Unser zwanzigköpfiges Präsenzteam ergänzt die Arbeit der Mesmer. Sie verstehen sich als Gastgeber. Oft geben sie Auskunft zu Fragen von Reformation und Kirche, zu Zwingli und Luther und Vadian.
Sind es am Sonntag jeweils eher Touristen auf der Durchreise, die die Kirche kurz besichtigen, sind es unter der Woche mehr Nutzerinnen und Nutzer, auch jüngeren Alters, die sich etwas Zeit zum Verweilen lassen.
Besonders berührend ist es, wenn sich eine Gruppe von Gästen die Zeit nimmt, in der schönen Akustik des Kirchenraumes ein Lied anzustimmen, egal ob dies nun ein Taizélied ist oder ein «Gegrüsst seist du Maria» von einer katholischen Gruppe. Mich selbst hat es äusserst berührt und gefreut, dass an der letztjährigen interreligiösen Bundesfeier die muslimische Vertreterin am Abendmahlstisch Suren aus dem Koran gesungen hat. Singen verbindet!
Oft gibt der Präsenzdienst auch Auskunft über die Geschichte und die Belange der Stadt oder er zeigt auf, wo denn der «richtige» Dom zu finden ist.
Manchmal kommt es aber auch zu vertieften Begegnungen und Gesprächen, wenn etwa ein hinduistischer Gast nach den wichtigsten Lehren des Christentums fragt, und sich das Gespräch zu den unterschiedlichen zyklischen bzw. linearen Vorstellung von Zeit weiterentwickelt.
Neben dem Präsenzdienst sind es hauptsächlich unsere vier Mesmerinnen, die dazu beitragen, dass sich die Nutzenden der Kirche wohl und willkommen fühlen. Es tut gut, wenn sich auch Menschen, Gruppen und Chöre mit recht anspruchsvollen Bedürfnissen anschliessend mit einem Lob oder einem Blumenstrauss für diese Gastfreundschaft bedanken.
Die Kirche St. Laurenzen ist täglich von 9.30 bis 16 Uhr (in den Sommermonaten bis 18 Uhr) geöffnet. Eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger sind jeweils donnerstags, 16-18 Uhr GANZ OHR für Ihre Anliegen.

Text: Pfr. Hansruedi Felix
Foto: Augustin Saleem