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05.04.2016 Zeit zu verschenken!

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Aus der Gemeinde

Eine Bach-Luther-Kantate

Text: Karl Graf | Foto: GALLUS MEDIA AG

Es war nicht das erste Mal, dass Rudolf Lutz den Auftrag erhielt, eine Kantate zu komponieren, wozu ich den Text verfassen sollte. Wir hatten schon für die Bachwoche in Ansbach und für das Bachfest in Schaffhausen eine Kantate beigesteuert. Für ein Konzert in Kirchheim an der Weinstrasse hatten wir auf Wunsch der Initianten eine Weinkantate geschaffen. Diese wurde vom Deutschlandradio Kultur aufgenommen und ausgestrahlt. Und die Folgen: Das Radio wünschte von uns jetzt auch noch eine Lutherkantate.
Nach einigem Zögern machten wir uns an die Arbeit. Zusammen mit Dr. Anselm Hartinger, unserm musikwissenschaftlichen Berater, überlegten wir, welche Form und welchen Musikstil die Kantate erhalten solle und was vom Werk Martin Luthers unbedingt in der Kantate zur Geltung kommen müsse.
Da auch im Jahr 1717 Reformationsjubiläen gefeiert wurden, stellten wir uns vor, der Weimarer Dichter Salomon Franck, der Verfasser zahlreicher Kantatentexte Johann Sebastian Bachs, hätte eine Jubiläumskantate schaffen wollen, die das Werk Luthers würdigt und der Gemeinde in Erinnerung ruft. In Musik setzen sollte den Text nicht irgendwer, sondern natürlich der Weimarer Hoforganist Johann Sebastian Bach. Dieser jedoch befand sich aufgrund seines vom Herzog abgelehnten hartnäckigen Wunsches, nach Köthen wechseln zu dürfen, mehrere Wochen in Beugehaft in der «Landrichter-Stube». Wir zogen Vergleiche mit Martin Luther. Wie dieser, auf der Wartburg festgehalten, an der Übersetzung des Neuen Testamentes arbeitete, könnte Bach an seinem Ort mit der Komposition der Kantate beginnen. Von hier aus gingen wir die Grundfragen der Reformation an. Es galt nicht, den Sprachstil Salomon Francks zu kopieren. Und die Komposition, welche die Tonsprache Johann Sebastian Bachs für heute neu aufzugreifen sucht, orientiert sich nicht sklavisch am Weimarer Stil.
Die Kantate wurde am 6. Mai 2017 von Solisten, Chor und Orchester der J.S. Bach-Stiftung auf der Wartburg erstmals aufgeführt.
Die Schweizer Uraufführung der überarbeiteten Fassung findet am 15. August 2018 um 19 Uhr in der Kirche St.Laurenzen statt.